Dienstag, 3. April 2018

Warum ich in p2p-Kredite investiere

Ich muss hier mal eine Gegenmeinung kundtun. In letzter Zeit gab es mehrere Aussagen von Finanzblocker, warum sie nie aber auch niemals in p2p-Kredite investieren würden, z.B. https://zendepot.de/podcast/ oder http://freiheitsmaschine.com/2018/03/24/p2p-kredite-peer-to-peer/.

Blödsinn, aha. Und ETFs sind die absolute Erlösung für alle Anleger. Nun, ich will den Autoren nicht absprechen, dass sie mit manchen Argumenten zum Nachdenken anregen und nicht ganz falsch liegen. Diese Gedanke sollte man sich auf jeden Fall auch machen bevor man sein Geld bei p2p anlegt. Etwas eigene Erfahrung hätte machem Bericht allerdings auch gut getan, so wirkt das doch recht abstrakt.

So, nun aber ein paar Punkte von mir.


Gute Rendite bei überschaubarem Risiko

Bislang habe ich noch bei keiner einzigen p2p-Plattform Geld verloren. Das kann und wird wahrscheinlich noch kommen, bei zencap und vielleicht auch moneything würde ich jetzt nicht absolut darauf vertrauen, dass da am Ende schwarze Zahlen herauskommen. Quer über alle Anlagen gehe ich von 8-10% vor Steuern aus. Ich investiere nun seit 10 Jahren deutlich fünfstellige Summen. Das skaliert also durchaus.

Eine gute Streuung über mehrere Plattformen und dort jeweils in viele Kredite ist Pflicht. Ausfälle sind unvermeindlich, die zunächst erzielbaren Renditen von 12% und mehr sind auf lange Sicht unrealistisch. Aber he, da liegen Billionen zu 0,0x% auf Tagesgeldkonten und Sparbüchern! Da sind selbst 3-4% eine TOP-Performance!

Kredite sind nicht die Wurzel alles Übels

Ich kann die Moraldiskussion durchaus nachvollziehen und verschließe mich diesem Aspekt auch nicht komplett. Nicht jede gewinnbringende Anlage in payday-Kredite mit dreistelligem Zinssatz muss ich auch noch als Anleger unterstützen. Allerdings stellt eine solche Frage bei sehr vielen Anlagen, insbesondere in Aktien. Selbst der Vatikan wurde schon dabei erwischt, in die Pornoindustrie zu investieren.

Ich habe mir im Laufe der Jahre viele Gedanken darüber gemacht. Jetzt mal die Risiko/rendite-Brille ganz weggelassen. Es ist sicher sinnvoll, in Wohnungsrenovierungen zu investieren, oder die Anschaffung eines dringend für den Arbeitsweg benötigten Gebrauchtwagens. Auch Kredite für die Weiterbildung sind keine Frage. Wie sieht es aber mit der Finanzierung einer Reise aus? Sollte der Kreditnehmer diese nicht eher aufschieben, bis er sie aus dem Erparten bezahlen kann? So bin ich schließlich auch groß geworden und das Schaffe-Schaffe-Häusle-Bauen steckt auch tief in mir drin. In manchen Situationen ist es trotzdem falsch. Ich spreche jetzt nicht von einem Ballermann Urlaub, aber eine Reise ist auch immer eine Investition. Man bekommt neue Eindrücke, man lernt andere Kulturen kennen, man tankt neue Schaffenskraft. Reisen in andere Länder dienen dem Weltfrieden. Meine Meinung, und zugegeben, ich schweife ab. Jedenfalls zu einer Reise gehören Geld und Zeit. So kann es z.B. eine Phase nach dem Studium geben in dem man die Zeit zu reisen hat, vielleicht auch die Aussicht auf einen guten Job, aber halt nicht das nötige Geld.

Was ich sagen will, ist das es fast schon anmaßend ist, als Anleger, der aufgrund seiner Lage keinen Kredit braucht (und das ist immer nur zum Teil der eigene Verdienst) sich ein Urteil erlauben zu wollen, ob ein Kredit nun gut oder schlecht für den Kreditnehmer ist, ob er seinen finanziellen Ruin bedeuten wird oder ihm aus der Patsche hilft.

Früher habe ich ziemlich auf den Verwendungszweck geachtet. Das war noch bei smava und da war die Mindestanlagesumme noch 250€. Da dachte ich mir, wenn der Kredit schon später mal ausfällt, soll es wenigstens für etwas Sinnvolles gewesen sein. Ich habe viele kleine Unternehmer unterstützt. Das war aus finanzieller Sicht nicht immer das cherry-picking das sich gelohnt hätte, aber die allermeisten Kredite wurden zurückbezahlt und ich hoffe ich habe dem Kreditnehmer ein bisschen geholfen.

Auch heute investiere ich noch einen beträchtlichen Teil nicht in Konsumentenkredite sondern in Unternehmen. Bei den Konsumentenkrediten der ersten Jahre waren es oft Umfinanzierungen von Kreditkartenüberziehungen oder Dispokrediten. Manche mag das weiter in die Schuldenfalle getrieben haben, die sind später ausgefallen. Für viele aber war es auch eine Erleichterung durch deutlich geringere Zinsen oder wenigsten kleinere Raten durch einen längeren Zahlungszeitraum.

Zinsen spiegeln immer das Ausfallrisiko wieder. Wenn überhaupt muss man also die Gier nach einer übrigbleibenden Rendite von weit über 5% anprangern. 


Vorteil Cashflow

P2P-Anlagen funktionieren grundlegend anders als Aktien und deren Derivate. In manchen Situationen ist das durchaus ein großer Vorteil. So hatte ich, als ich beschlossen hatte meine Investitionen bei smava und auxmoney auslaufen zu lassen, über viele Monate hinweg einen zusätzlichen Zahlungsstrom von über 1000€/Monat. Habe ich dann andersweitig wieder angelegt. Wäre aber auch eine gute Möglichkeit einen um ein paar Jahre vorgezogenen Ruhestand zu finanzieren (ist ehrlich gesagt mein Plan), Das ist ganz gut kalkulierbar, solange man einen gewissen Puffer als Zahlungsverzug einplant. Und geht natürlich nur mit Krediten, die Tilgungen leisten.


Das Risiko

Ich finde die Aussage das p2p-Kredite im Vergleich zu Aktien/ETFs riskanter sind, reichlich naiv. Zum einen sollte man das eine tun und dabei das andere nicht lassen. Mein Aktiendepot ist immer noch größer als meine p2p-Anlage (und ich habe noch andere Investmentklassen).

Kursschwankungen habe ich bei p2p-Kredite  schon mal so gut wie keine, d.h. die Liquidität ist (zumindest zu einem Anteil von sagen wir einmal 50%) sehr viel besser. Natürlich hat man das Problem mit den Ausfällen. Mal abgesehen von denen (je nach Plattform eher seltenen), wo das Geld ganz futsch ist, dauert es dann sehr sehr lange, bis man einen Teil oder alles wiedersieht. Aber ich hatte auch schon etliche Zeiträume, zu denen ich mein angelegtes Geld nicht aus den Aktienanlagen herausbekommen hätte. Egal ob man in Einzelwerte, Fonds oder Indexzertifikate investiert.

Und ETFs sollen kein Risiko haben? Also bitte. Dass Aktien auf lange Sicht immer ein gutes Investment waren, ist unbestritten. Aber Derivate bringen immer auch ihr eigenes systemisches Risiko mit sich. Wenn das Volumen das der Aktien selbst deutlich übertrifft, kann das im Fall einer Krise zu einem deutlich verstärkenden Faktor werden, der das ganze Bankensystem selbst erschüttert.

Wer the big short gesehen hat, weiß, dass man selbst wenn man auf der richtigen Seite der Wette steht, mitunter nichts mehr davon hat. Wer hat denn schon vor 15 Jahre Lehmann-Papiere für riskant gehalten? Niemand. Ich will hier wirklich niemand irgedetwas madig machen, aber es ist eine Binsenweisheit dass hohe Rendite stets mit hohem Risiko korreliert. Es gibt nichts geschenkt. Das gilt für p2p, das gilt für andere Anlageformen. Deshalb sollte man ja streuen.

Es ist mir völlig klar, dass ich im Fall des Zusammenbruchs der p2p-Plattform ein Problem haben werde und dass es für mich als Privatperson gar nicht möglich ist, dieses Risiko einzuschätzen. Egal ob es sich um unbesicherte Konsumentenkredite oder Mogo-Kredite handelt, wo ein Gebrauchtwagen als Sicherheit hinterlegt ist. Ich habe weder Zeit noch Möglichkeit, in Estland, Polen oder wo auch immer durch die Gegend zu fahren und auf meine 10€-Anteile zu pochen. Da wird also jemand einspringen müssen und die Angelegenheit für uns regeln. Das wird Geld kosten. Ich bin sehr gespannt, was passieren wird, wenn da mal ein solcher Fall eintritt. Bis dahin beruhigt es mich, dass mein Geld auf mindestens ein halbes Dutzend Plattformen verteilt ist und meine bisherige Rendite schon einen Ausfall einer einzigen Plattform kompensieren kann. Und wenn alle ausfallen - haben wir glaube ich ein anderes Problem.


Passive Anlage

Man kann p2p als weitgehend passive Anlageform betreiben. Also alles auf Autoinvest (geht nicht bei jeder Plattform), einmal im Vierteljahr 1-2 Stunden checken, gut ist. Ob das die Rendite spürbar senkt, ist noch nicht einmal erwiesen.

Man kann auch ein Hobby daraus machen. Das gilt so für jede Geldanlage. Am Anfang ist der Wissenzuwachs wirklich enorm, und man sollte schon ein paar Wochen sich mit der Materie beschäftigen, wenn man mit mehr als ein paar Hundertern einsteigen will. Dann ist aber auch gut und man hat herausgefunden wie der Hase läuft. Zum Glück gibt es hervorrgende Foren, in denen man auf dem Laufenden gehalten wird und ab und zu auch Fragen stellen kann.


Mein Fazit

Ich bin froh, dass ich diese Anlageform vor zehn Jahren gefunden habe. Meine Rendite ist sehenswert und mein Wissen rund um Geldanlagen hat sich enorm vergrößert. Ich habe Spaß daran, mich mit dieser Anlageform zu beschäftigen und ich sehe mich nicht nur als Kapitalisten sondern hoffe, den Kreditnehmer auch ein wenig geholfen zu haben.


Kommentare:

  1. Tat gut mal ein paar kritische Stimmen zu lesen. Meine Risikoüberlegung ist einfach: Mit einem kleinen Prozentsatz sehr hohe Risiken fahren (P2P). Das restliche Geld möglichst sicher anlegen. Dazu gehören auch EFT's. Bin jetzt 2 Jahre bei P2P dabei. Kostet schon ziemlich Zeit...

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    1. https://www.finanzen.net/nachricht/etf/geldanlagen-report-wie-gefaehrlich-sind-etfs-im-krisenfall-4811067

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    2. ETF Kritik wird ja immer gerne geübt ;) "Der" ETF Papst hat dazu sich auch schon mehrfach geäußert: https://gerd-kommer-invest.de/wp-content/uploads/Newsletter-2.html
      und man hat ja glücklicherweise die Wahl ob man "echte" oder eben SWAPs nimmt - mitlerweile sind die TER Kosten auch nahezu identisch.
      Ich bleib auch dabei P2P als Beimischung - der Hauptbetrag in ETFs

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  2. Schöner Blog Eintrag. Immer wieder Lesenswert!
    Kleiner Kritik: Sich vermehrt auf Unternehmenskredite einzulassen sehe ich als etwas erhöhtes Risiko.
    Bei Konsumkredite(keine Paydayloans, Kreditrefinanzierungen)sehe ich mehr Sicherheit. Denn es macht ein Unterschied, ob ein Konsument ausfällt als ein Unternehmer. Der Konsument wird "irgendwann" zurückzahlen, der Unternehmer neigt zur Insolvenz(Futsch) in Krisenzeiten. Das ist meine Theorie, keiner weis wie es kommen wird--Ich denke eine gute Mischung machts Unternehmen,Konsumk,besicherte K.!! Und zweiter Kritik in zu viele P2p Plattformen zu diversifizieren! Besser ist es Selektiv zu Diversifizieren--Gemeint ist bei den Größeren und mittleren Plattformen zubleiben,die eindeutig Zukunftspotenzial hat. Eine Antwort zu meinen Gedanken wäre sicherlich Konstruktiv und Wünschenswert! Schönen Tag noch und weiterhin Erfolg in ihrem Blog.

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    1. Es gibt durchaus auch besichtere Unternehmenskredite, oft durch Immobilien z.B. estateguru, ablrate, moneything... trotzdem ist hier auch mit Teilausfällen zu rechnen.
      Und ja, ich investiere durchaus nur selektiv in verschiedene Plattformen, <10 ist meine Devise. Wird sonst auch zu unübersichtlich.

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    2. welche plattformen würden sie als sicher einstufen und benutzen(haben)?
      Meine sind Mintos Bondora Fellow Finance eine Priese Lenndy und Finbee.

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    3. Meine Einschätzungen stehen alle hier im Blog. Ich habe allerdings nicht alles ausprobiert und das soll diese nicht abwerten.

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  3. Immer wieder lesenswert
    Kleiner kritik unternehmenskredite haben den nachteil wenn sie ausfallen ist nichts mehr zu holen ,andfers bei konsumenten besicherte kredite
    die gute mischung machts
    ich bevorzuge nicht zuviele plattformen und beschränke mich auf die grössten sichersten plattformen

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    1. Warum sollte bei Unternehmenskrediten nichts zu holen sein? Es gibt nicht nur IT-Unternehmen, deren komplettes Anlagevermögen aus ein paar Notebooks besteht.

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