Sonntag, 6. Mai 2018

Bondora - Transparenz selbst gemacht

Schon lange will Bondora davon weg, Kreditnehmer anzuzeigen. Nicht einmal in der anonymisierten Form BOxxx. Mit dem jüngsten Update - Buchungen nach Anteilsbruchteilen - wurde das nun, vielleicht von einigen unbemerkt, vollzogen:


In daily cashflow ist jetzt nur noch die Kreditnummer sichtbar. Schön ist die Zusammenfassung ganz oben, aber das ist ärgerlich. So kann man sich keinen Überblick mehr über alle Kredite eines Kreditnehmers im Depot mehr verschaffen, wie das bislang möglich war. Auch die Suche nach weiteren Krediten auf den Zweitmarkt ist nicht mehr so einfach möglich. Erst wenn man dem Link über die Kreditnummer folgt, wird die Information, falls so konfiguriert, sichtbar.

Auch im Report der Zahlungen ist diese Information nun ausgeblendet - als Zahlender taucht jeweils "Bondora Capital" auf. Eine Nachfrage bei Bondora ergab, dass man das mit Absicht geändert habe. Das warum erschließt sich mir nicht. Es müsste schon massive Proteste der Anleger geben, um diese Änderung wieder rückgängig zu machen. Im Sinne der hochgelobten Transparenz.

Hat mir natürlich keine Ruhe gelassen und mich zwei Stunden Codingzeit gekostet. Jetzt sind die Informationen in der BoxOfBondora wieder sichtbar und sogar noch mehr:


Wie man sieht, ist in der zweiten Spalte der jeweilige Kreditnehmer angezeigt. Handelt es sich um ein Zweitmarktgeschäft, beginnt der Name mit einem "!" und es gibt keinen Link zum Anteil im Deport. In diesem Fall kann man per mouseover auch den Handelspartner sehen. Die Kreditnummer führt auf das Depot, der Status ist der letzt verfügbare Wert (s.u.) Beim Zahlungsbetrag kann man, wie bei mintos, per mouseover den exakten Betrag ansehen. Der Pfeil in der letzten Spalte führt zu Angeboten zu diesem Kreditnehmer im Zweitmarkt. So wollte ich mein Statement haben.

Wie funktioniert das technisch? Zunächstmal wird versucht, die Daten aus der Liste der eigenen Kredite auszulesen (Dazu muss man sie über MyInvestments geladen haben). Klar, der Status kann sich durch die jüngste Zahlung geändert haben. Aber das ist ja nicht so schlimm, das kann man sich ja denken, wenn da Extra Interests aufgeführt ist.
Bei den verkauften Anteilen wird man da nicht fündig. Deshalb wird beim Starten des Plugins eine Liste mit Kreditnummerdaten/Namen geladen, die ich halt in regelmäßigen Abständen (bestimmt nicht täglich) generieren und hochladen muss. Damit sind dann fast alle Fälle abgedeckt und Kredite vor ihrer ersten Zahlung sind ja auch nicht so wichtig. Der Status kann in diesem Fall natürlich ziemlich veraltet sein.

Man sieht also, eine API und eigene Kreativität erlaubt einem eine maßgeschneiderte eigene Oberfläche. Bis Bondora die nächste Änderung bringt.

Montag, 30. April 2018

Estateguru zahlt 1% Bonus

Im Moment scheint Estateguru etwas Mühe zu haben, alle neuen Projekte in der doch recht knappen Finanzierungsphase voll zu bekommen. So hat man sich etnschieden, einen Bonus von (einmalig) einem Prozent anzubieten:

Increase your returns from investments! By investing in the currently open projects, you receive 1% of your investment back immediately, once the project gets funded. 
The Cashback bonus will be effective for the following projects, starting from today: Lubja str. bridge loan, Zilu bridge loan, Adruvahi bridge loan and Kiviloo Manor refinancing loan.

Beim letzteren ist zu beachten, dass damit ein bestehender Kredit abgelöst werden soll, dessen Rückzahlung sagen wir mal deutlich verzöger ist. Immerhin hat der Kreditnehmer zuverlässig Zinsen und Verlängerungsstrafen gezahlt, so dass sich für die bisherigen Anlager eine schöne Rendite ergibt. Auch denke ich, dass das wunderschöne Anwesen eine gute Sicherheit darstellt. Da muss man sich schon überlegen ob man sich darauf einlässt, ich werde das nicht tun.

Insgesamt sind bei Estateguru nur drei Ausfälle bekannt, wovon einer sehr schnell und zur vollsten Zufriedenheit der Anleger gelöst wurde. Die anderen beiden ziehen sich hin, die Deckung durch die Hypotheken scheint aber hinreichend zu bestehen. Zahlungsverzögerungen gibt es immer wieder. Bei Hypothekendarlehen hätte ich eigentlich nicht mit dieser Menge gerechnet. Solange aber, wie es bislang aussieht, praktisch alles samt Verzugzinsen nachbezahlt wird, sollte das kein echter Aufreger sein - schließlich ergeben sich zweistellige Renditen.

Für Neuanleger  gibt es z.B. über diesen Werbelink nochmal zusätzlich 0,5% auf die Anlegesumme der ersten drei Monaten.

Donnerstag, 5. April 2018

Tallinn ist eine Reise wert!

Etwas offtopic, aber ohne p2p hätte meine Reise nach Tallinn wohl nicht stattgefunden. Jetzt kann ich nur sagen, es wird nicht mein letzter Besuch dort gewesen sein. Meine Frau und ich haben uns sofort in die Talliner Altstadt verliebt und jede Minute dort genossen.

Ankunft
Der Flughafen Tallinn ist gut zwei Flugstunden von Frankfurt entfernt. Auch von anderen deutschen Städten gibt es Direktflüge. Viele Kreuzfahrtschiffe legen in Tallinn an, aber nur ein Kurzbesuch ist eigentlich schade.
Vom Flughafen kommt man sehr einfach mit Bus oder Straßenbahn in die Innenstadt.

Verkehr
Tallinn hat ein sehr gut ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz. Das ist für die Einwohner der Hauptstadt sogar kostenlos, für Touristen hatte man dafür angeblich die Preise erhöht. Davon haben wir aber nichts bemerkt, im Gegenteil gab es für 6€ (+2€ einmalig für die NFC-Karte) ein 5-Tages-Ticket. Da bezahle ich z.B. in Karlsruhe schon für einen Tag mehr.
Es gibt wohl auch Einzelfahrscheine beim Fahrer, aber wir sind recht viel Straßenbahn und Bus gefahren und mit dem Ticket muss man sich nur mal schnell neben die Erfassungssäule stellen - pling.


Schwarzfahren sollte man nicht - wir kamen eines Abends in eine Kontolle und das war auch ein Erlebnis. Die Staßenbahn hielt mitten auf der Strecke neben einem Minibus voller Kontolleure. Türen auf, Bahn blieb stehen bis alle kontrolliert waren, blitzschnell.
Viele der Bahnen sind alte deutsche Straßenbahnen, da liest man schon mal "Türöffner". Alles bltzblank, wie auch die Straßen ohne Müll.

Mitterlalterliche Altstadt
Ein ganzes Viertel ist noch von mittelalterlichen Gebäuden dominiert. Hier kann man sich im Wesentlichen nur zu Fuß bewegen, das tut der Atmösphäre gut. Überall gibt es Türmchen und Kirchen zu bestaunen, erstere erinnerten mich an das Carcassone-Spiel.


Zum Glück hatten wir herrliches Wetter, zwar Ende März Temperaturen um den Gefrierpunkt, aber fast immer Sonnenschein und das wunderbare Licht des Norden.


Vom Domberg hat man eine tolle Aussicht. In der Altstadt sind u.a. die ganzen Botschaften untergebracht, auf dem Domberg selbst (ein größeres Gelände mit eigener Stadtmauer) auch die Regierungsgebäude. Natürlich gibt es jede Menge Cafes, Restaurants und Touristenläden. Ich habe mir zwei Norwegerpullis (natürlich in Estland gefertigt) geleistet, zu fairen Preisen.

Restaurants sind einen Tick billiger als in Deutschland. Wir wurden stets sehr freundlich behandelt und man spricht durchgehend gut Englisch. Am Anfang wird man oft darauf hingewiesen, wie lange das Zubereiten des Essen dauern wird (war die ersten Tage kein Problem). Es gibt internationale Küche und östliche/nordische Spezialitäten.

Den ersten Teil der Woche war es noch ziemlich leer, wir hatten manche Straßen für uns alleine.


Ab Karfreitag wurde es dann sehr voll und es war kaum noch ein Platz zu finden. Außerhalb der Saison ist also ein guter Tipp.

Am Karsamstag war dann der Rathausplatz gut belebt (immer noch knapp über 0 Grad).

An der Ostsee
Ein besonderes Erlebnis, das nicht jedes Jahr zu bestaunen ist, war die zugefrorene Ostsee. Natürlich nur in Küstennähe. Man hat uns erzählt, dass zwar die großen Fähren recht gut durchs Eis kommen, es allerdings sogar eine "Straße" auf dem Eis zu den estnischen Inseln gab (auf dieser waren besondere Regeln zu beachten, z.B. nicht anschnallen). Ein paar Eindrücke:





Den echten Esten kann das natürlich nicht schocken. Da ging tatsächlich jemand im Eis schwimmen!
Wir dachten zunächst, das sind Aufnahmen für ein Werbeplakat oder so, aber das war echtes Leben:


Kultur
Natürlich gibt es jede Menge Museen, Kirchen, Galerien. Wir haben uns allerdings meistens draußen aufgehalten, nur ab und zu zum Aufwärmen ins Innere.


Tallinn war insgesamt ein überaschendes Kleinod. Ähnlich ging es mir nur vor ein paar Jahren mit Istanbul, das mir damals auch sehr sehr gut gefallen hat aber heute ja erstmal nicht mehr zu bereisen ist. Von mir 5 von 5 Sternen. Ein Top-Tipp ist auch die Stadtführung, die immer um 12h vor der Touristeninfo startet (gegen ein Trinkgeld). Die sollte man sich keinesfalls entgehen lassen.

 Alle Bilder mit meiner geliebten Sony DSC-TX30 fotografiert.

Dienstag, 3. April 2018

Erster defaulted loan bei Flender

Nach etwa einem dreiviertel Jahr absolut pünktlicher Zahlungen kam es nun zu einem Kreditausfall bei Flender, der mich allerdings nicht betrifft. Es ist nur ein sehr kleiner Kredit, so dass weiterhin 99% der ausgeliehenen Summe problemfrei zurückbezahlt wird.

Ehrlich gesagt, beruhigt mich das eher (natürlich um so mehr als dass es mich nicht tangiert). Zu nahe sind noch die Erinnerungen an lendico und zencap, wo man Spätzahlungen über viele Monate vertuscht hat.

Flender scheint Kredite recht früh als defaulted zu zählen. So berichtet man hier, dass das Geld noch längst nicht als verloren zu betrachten ist sondern man sich mit em Kreditnehmer in Restrukturierungsverhandlungen befindet. Auf das Ergebnis darf man gespannt sein. Ausfälle bei zweistelligen Zinssätzen sind natürlich einzuplanen und wenn es dann noch gelingt, wenigstens ein Großteil der ausstehenden Summe auf irgendeine Weise (und die friedliche Einigung ist davon immer die beste) zurückzugewinnen ist das absolut kein Grund, auf weitere Anlagen zu verzichten.

Zur Zeit gibt es drei Angebote. Davon sind allerdings zwei eine 2. Tranche, wo ich schon investiert bin. Ein Problem bei Flender ist es (noch), dass die Plattform noch nicht sehr bekannt ist. Zum einen ist das schön, denn man kann sich die Kredite sehr genau ansehen und cherry-picking betreiben. Zum anderen gibt es nur wenig neue Kredite und die Finanzierung zieht sich oft über Wochen hin. Während dieser Zeit ist die Anlage unverzinst.

Für Leute die Flender noch nicht kennen: es gibt immer wieder nette Cashbackaktionen mit bis zu 10%, die man nicht verpassen sollte. Außerdem gibt es, wenn man sich über einen Empfehlungslink anmeldet, einen zusätzlichen Bonus von 5% auf die Anlagesumme.

Nachtrag: der Kredit wurde inzwischen umgeschuldet. Damit ist die Ausfallquote wieder auf 0.

Warum ich in p2p-Kredite investiere

Ich muss hier mal eine Gegenmeinung kundtun. In letzter Zeit gab es mehrere Aussagen von Finanzblocker, warum sie nie aber auch niemals in p2p-Kredite investieren würden, z.B. https://zendepot.de/podcast/ oder http://freiheitsmaschine.com/2018/03/24/p2p-kredite-peer-to-peer/.

Blödsinn, aha. Und ETFs sind die absolute Erlösung für alle Anleger. Nun, ich will den Autoren nicht absprechen, dass sie mit manchen Argumenten zum Nachdenken anregen und nicht ganz falsch liegen. Diese Gedanke sollte man sich auf jeden Fall auch machen bevor man sein Geld bei p2p anlegt. Etwas eigene Erfahrung hätte machem Bericht allerdings auch gut getan, so wirkt das doch recht abstrakt.

So, nun aber ein paar Punkte von mir.


Gute Rendite bei überschaubarem Risiko

Bislang habe ich noch bei keiner einzigen p2p-Plattform Geld verloren. Das kann und wird wahrscheinlich noch kommen, bei zencap und vielleicht auch moneything würde ich jetzt nicht absolut darauf vertrauen, dass da am Ende schwarze Zahlen herauskommen. Quer über alle Anlagen gehe ich von 8-10% vor Steuern aus. Ich investiere nun seit 10 Jahren deutlich fünfstellige Summen. Das skaliert also durchaus.

Eine gute Streuung über mehrere Plattformen und dort jeweils in viele Kredite ist Pflicht. Ausfälle sind unvermeindlich, die zunächst erzielbaren Renditen von 12% und mehr sind auf lange Sicht unrealistisch. Aber he, da liegen Billionen zu 0,0x% auf Tagesgeldkonten und Sparbüchern! Da sind selbst 3-4% eine TOP-Performance!

Kredite sind nicht die Wurzel alles Übels

Ich kann die Moraldiskussion durchaus nachvollziehen und verschließe mich diesem Aspekt auch nicht komplett. Nicht jede gewinnbringende Anlage in payday-Kredite mit dreistelligem Zinssatz muss ich auch noch als Anleger unterstützen. Allerdings stellt eine solche Frage bei sehr vielen Anlagen, insbesondere in Aktien. Selbst der Vatikan wurde schon dabei erwischt, in die Pornoindustrie zu investieren.

Ich habe mir im Laufe der Jahre viele Gedanken darüber gemacht. Jetzt mal die Risiko/rendite-Brille ganz weggelassen. Es ist sicher sinnvoll, in Wohnungsrenovierungen zu investieren, oder die Anschaffung eines dringend für den Arbeitsweg benötigten Gebrauchtwagens. Auch Kredite für die Weiterbildung sind keine Frage. Wie sieht es aber mit der Finanzierung einer Reise aus? Sollte der Kreditnehmer diese nicht eher aufschieben, bis er sie aus dem Erparten bezahlen kann? So bin ich schließlich auch groß geworden und das Schaffe-Schaffe-Häusle-Bauen steckt auch tief in mir drin. In manchen Situationen ist es trotzdem falsch. Ich spreche jetzt nicht von einem Ballermann Urlaub, aber eine Reise ist auch immer eine Investition. Man bekommt neue Eindrücke, man lernt andere Kulturen kennen, man tankt neue Schaffenskraft. Reisen in andere Länder dienen dem Weltfrieden. Meine Meinung, und zugegeben, ich schweife ab. Jedenfalls zu einer Reise gehören Geld und Zeit. So kann es z.B. eine Phase nach dem Studium geben in dem man die Zeit zu reisen hat, vielleicht auch die Aussicht auf einen guten Job, aber halt nicht das nötige Geld.

Was ich sagen will, ist das es fast schon anmaßend ist, als Anleger, der aufgrund seiner Lage keinen Kredit braucht (und das ist immer nur zum Teil der eigene Verdienst) sich ein Urteil erlauben zu wollen, ob ein Kredit nun gut oder schlecht für den Kreditnehmer ist, ob er seinen finanziellen Ruin bedeuten wird oder ihm aus der Patsche hilft.

Früher habe ich ziemlich auf den Verwendungszweck geachtet. Das war noch bei smava und da war die Mindestanlagesumme noch 250€. Da dachte ich mir, wenn der Kredit schon später mal ausfällt, soll es wenigstens für etwas Sinnvolles gewesen sein. Ich habe viele kleine Unternehmer unterstützt. Das war aus finanzieller Sicht nicht immer das cherry-picking das sich gelohnt hätte, aber die allermeisten Kredite wurden zurückbezahlt und ich hoffe ich habe dem Kreditnehmer ein bisschen geholfen.

Auch heute investiere ich noch einen beträchtlichen Teil nicht in Konsumentenkredite sondern in Unternehmen. Bei den Konsumentenkrediten der ersten Jahre waren es oft Umfinanzierungen von Kreditkartenüberziehungen oder Dispokrediten. Manche mag das weiter in die Schuldenfalle getrieben haben, die sind später ausgefallen. Für viele aber war es auch eine Erleichterung durch deutlich geringere Zinsen oder wenigsten kleinere Raten durch einen längeren Zahlungszeitraum.

Zinsen spiegeln immer das Ausfallrisiko wieder. Wenn überhaupt muss man also die Gier nach einer übrigbleibenden Rendite von weit über 5% anprangern. 


Vorteil Cashflow

P2P-Anlagen funktionieren grundlegend anders als Aktien und deren Derivate. In manchen Situationen ist das durchaus ein großer Vorteil. So hatte ich, als ich beschlossen hatte meine Investitionen bei smava und auxmoney auslaufen zu lassen, über viele Monate hinweg einen zusätzlichen Zahlungsstrom von über 1000€/Monat. Habe ich dann andersweitig wieder angelegt. Wäre aber auch eine gute Möglichkeit einen um ein paar Jahre vorgezogenen Ruhestand zu finanzieren (ist ehrlich gesagt mein Plan), Das ist ganz gut kalkulierbar, solange man einen gewissen Puffer als Zahlungsverzug einplant. Und geht natürlich nur mit Krediten, die Tilgungen leisten.


Das Risiko

Ich finde die Aussage das p2p-Kredite im Vergleich zu Aktien/ETFs riskanter sind, reichlich naiv. Zum einen sollte man das eine tun und dabei das andere nicht lassen. Mein Aktiendepot ist immer noch größer als meine p2p-Anlage (und ich habe noch andere Investmentklassen).

Kursschwankungen habe ich bei p2p-Kredite  schon mal so gut wie keine, d.h. die Liquidität ist (zumindest zu einem Anteil von sagen wir einmal 50%) sehr viel besser. Natürlich hat man das Problem mit den Ausfällen. Mal abgesehen von denen (je nach Plattform eher seltenen), wo das Geld ganz futsch ist, dauert es dann sehr sehr lange, bis man einen Teil oder alles wiedersieht. Aber ich hatte auch schon etliche Zeiträume, zu denen ich mein angelegtes Geld nicht aus den Aktienanlagen herausbekommen hätte. Egal ob man in Einzelwerte, Fonds oder Indexzertifikate investiert.

Und ETFs sollen kein Risiko haben? Also bitte. Dass Aktien auf lange Sicht immer ein gutes Investment waren, ist unbestritten. Aber Derivate bringen immer auch ihr eigenes systemisches Risiko mit sich. Wenn das Volumen das der Aktien selbst deutlich übertrifft, kann das im Fall einer Krise zu einem deutlich verstärkenden Faktor werden, der das ganze Bankensystem selbst erschüttert.

Wer the big short gesehen hat, weiß, dass man selbst wenn man auf der richtigen Seite der Wette steht, mitunter nichts mehr davon hat. Wer hat denn schon vor 15 Jahre Lehmann-Papiere für riskant gehalten? Niemand. Ich will hier wirklich niemand irgedetwas madig machen, aber es ist eine Binsenweisheit dass hohe Rendite stets mit hohem Risiko korreliert. Es gibt nichts geschenkt. Das gilt für p2p, das gilt für andere Anlageformen. Deshalb sollte man ja streuen.

Es ist mir völlig klar, dass ich im Fall des Zusammenbruchs der p2p-Plattform ein Problem haben werde und dass es für mich als Privatperson gar nicht möglich ist, dieses Risiko einzuschätzen. Egal ob es sich um unbesicherte Konsumentenkredite oder Mogo-Kredite handelt, wo ein Gebrauchtwagen als Sicherheit hinterlegt ist. Ich habe weder Zeit noch Möglichkeit, in Estland, Polen oder wo auch immer durch die Gegend zu fahren und auf meine 10€-Anteile zu pochen. Da wird also jemand einspringen müssen und die Angelegenheit für uns regeln. Das wird Geld kosten. Ich bin sehr gespannt, was passieren wird, wenn da mal ein solcher Fall eintritt. Bis dahin beruhigt es mich, dass mein Geld auf mindestens ein halbes Dutzend Plattformen verteilt ist und meine bisherige Rendite schon einen Ausfall einer einzigen Plattform kompensieren kann. Und wenn alle ausfallen - haben wir glaube ich ein anderes Problem.


Passive Anlage

Man kann p2p als weitgehend passive Anlageform betreiben. Also alles auf Autoinvest (geht nicht bei jeder Plattform), einmal im Vierteljahr 1-2 Stunden checken, gut ist. Ob das die Rendite spürbar senkt, ist noch nicht einmal erwiesen.

Man kann auch ein Hobby daraus machen. Das gilt so für jede Geldanlage. Am Anfang ist der Wissenzuwachs wirklich enorm, und man sollte schon ein paar Wochen sich mit der Materie beschäftigen, wenn man mit mehr als ein paar Hundertern einsteigen will. Dann ist aber auch gut und man hat herausgefunden wie der Hase läuft. Zum Glück gibt es hervorrgende Foren, in denen man auf dem Laufenden gehalten wird und ab und zu auch Fragen stellen kann.


Mein Fazit

Ich bin froh, dass ich diese Anlageform vor zehn Jahren gefunden habe. Meine Rendite ist sehenswert und mein Wissen rund um Geldanlagen hat sich enorm vergrößert. Ich habe Spaß daran, mich mit dieser Anlageform zu beschäftigen und ich sehe mich nicht nur als Kapitalisten sondern hoffe, den Kreditnehmer auch ein wenig geholfen zu haben.